
In Kostheim hat die Wiesbadener Wohnbaugesellschaft GWW den symbolischen Baubeginn für ein neues Wohnquartier eingeläutet. In drei Abschnitten sollen bis Ende 2028 insgesamt 222 Mietwohnungen sowie eine Kindertagesstätte und Gemeinschaftsflächen entstehen. Zu den Teilnehmern der Veranstaltung zählten Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, Baudezernent Andreas Kowol und Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher sowie Vertreterinnen und Vertreter städtischer Stellen und der beteiligten Unternehmen.
Umfang und Zeitplan
Das Projekt umfasst acht Mehrfamilienhäuser mit einer Gesamtwohnfläche von rund 18 529 Quadratmetern. Der erste Bauabschnitt an der Bahnlinie sieht 74 Wohnungen vor, darunter zwei Clusterwohnungen mit jeweils sechs Appartements für gemeinschaftliches Wohnen. Im zweiten Bauabschnitt an der Kostheimer Landstraße sind 115 Wohnungen geplant, zudem eine Gewerbeeinheit, ein Co Working Büro und die neue GWW Außenstelle AKK. Der dritte Abschnitt umfasst 33 Wohnungen, darunter Maisonettewohnungen. Ergänzend entsteht in der Quartiersmitte ein Kopfbau mit einer zweigeschossigen vierzügigen Kindertagesstätte und einem Quartiersplatz mit Wasserspiel und Sitzgelegenheiten.
Architektur und soziale Komponente
Die einzelnen Bauabschnitte wurden von verschiedenen Architekturbüros entworfen. Für den südlichen Abschluss mit Holzfassaden zeichnet ein Büro verantwortlich, während für den mittleren Abschnitt ein städtebaulich orientiertes Büro verantwortlich ist. Die Gestaltung des Kopfbaues und der öffentlichen Räume stammt von einem weiteren Architekturbüro. Die GWW betont, dass unterschiedliche Wohnungsgrößen und -typen vorgesehen sind, um verschiedene Lebenssituationen abzudecken.
Gefördert werden 67 Wohnungen für Haushalte mit geringem Einkommen. Die Förderquote für Sozialwohnungen liegt damit bei 30,2 Prozent. Die GWW plant zudem, eine Außenstelle für die Bezirke Amöneburg, Kastel und Kostheim in das Quartier zu integrieren, um Ansprechpartner für Mieterbelange in unmittelbarer Nähe anzubieten.
Energie, Klima und Infrastruktur
Nach Angaben der Projektbeteiligten setzt das Quartier auf mehrere Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Auf den Flachdächern sind großflächige Photovoltaikanlagen geplant, um den Mietern günstigen Mieterstrom anbieten zu können. Die Wohnanlage wird autofrei konzipiert, sämtliche Stellplätze sind in einer Tiefgarage am Quartierseingang gebündelt und mit E Ladestationen ausgestattet.
Für die Wärmeversorgung errichtet ein regionaler Energieversorger ein Kaltes Nahwärmenetz. Das System nutzt 120 Erdwärmesonden mit Tiefen bis zu 110 Metern zur Nutzung von Umweltwärme. Dezentrale Wärmepumpen in den Gebäuden heben die Temperatur auf das benötigte Niveau. Im Sommer kann überschüssige Wärme dem Netz zugeführt und im Erdreich gespeichert werden, sodass das System ganzjährig Wärme und Kühlung bereitstellen soll.
Weitere Maßnahmen umfassen intensive Dachbegrünungen, die als Retentionsdächer dienen, sowie die Versickerung von Regenwasser auf dem Grundstück mittels Mulden und Rigolen. Zur Förderung alternativer Mobilität sind Carsharing Angebote, E Lastenräder und Leihfahrräder vorgesehen.
Gemeinschaftsräume und neues Bürgerhaus
Das neue Quartier versteht sich nicht nur als Wohnstandort, sondern auch als Ort für Begegnung. Vorgesehen sind ein Quartiersplatz, Sportangebote etwa auf dem Dach der Hochgarage und die zweigeschossige Kindertagesstätte. Vertreterinnen und Vertreter der Stadt machten deutlich, dass mit dem Projekt neben neuem Wohnraum auch Infrastruktur für Kultur und Vereinsleben gestärkt werden soll.
Als Ersatz für die älteren Bürgerhäuser in Kastel und Kostheim entsteht in unmittelbarer Nähe zudem ein neues Bürgerhaus. Es wird unter anderem einen etwa 765 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal haben, der Platz für bis zu 800 Personen bietet. Weiterhin sind Clubräume, ein Mehrgenerationentreff und ein grüner Freiraum geplant. Die Stadtverwaltung betont, dass das Gebäude mit ökologisch zertifizierten Baustoffen und unter Beachtung städtischer Leitlinien für nachhaltiges Bauen errichtet wird.
Vertreter der GWW und der Stadt hoben bei der Veranstaltung die Kombination aus bezahlbarem Wohnraum, ökologischer Energieversorgung und gemeinschaftlichen Angeboten hervor. Damit soll das neue Quartier einen Beitrag zur Entspannung des angespannten Wiesbadener Wohnungsmarktes leisten und gleichzeitig hohe ökologische Standards erfüllen.
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