
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr haben am 23. Januar im Festsaal des Wiesbadener Rathauses den Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage und den Preis für Bürgermut 2025 verliehen. Die Auszeichnungen gingen an die russische Historikerin und Publizistin Dr. Irina Scherbakowa sowie an die Aktivistin Julia Nawalnaja. In Wiesbaden wurden zudem Johann Zernickel und Andrej Belosludov für ihren Einsatz bei einer Messerattacke im April 2024 geehrt.
Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage
Den mit 10.000 Euro dotierten Ludwig-Beck-Preis erhielten in diesem Jahr zwei Frauen, die sich in unterschiedlicher Weise für Menschenrechte und demokratische Werte engagieren. Dr. Irina Scherbakowa wurde als Gründungsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial ausgezeichnet. Die Historikerin setzt sich seit Jahrzehnten für die Aufarbeitung der Verbrechen der sowjetischen politischen Gewaltherrschaft ein und gilt als Vertreterin der Freiheitsbewegung in Russland. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verließ Scherbakowa ihr Heimatland. Seit Juli 2022 lebt sie im Exil in Deutschland.
Julia Nawalnaja wurde für die jahrelange Unterstützung ihres Mannes, des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, bis zu dessen Tod gewürdigt. Die Auszeichnung begründet die Stadt damit, dass Nawalnaja unter Gefährdung ihrer eigenen Freiheit und ihres Lebens für die Grundwerte der UN-Menschenrechtscharta eintritt und den politischen Kampf ihres Mannes fortführe.
Preis für Bürgermut für Einsatz in Wiesbaden
Der mit 2.500 Euro dotierte Preis für Bürgermut wurde an Johann Zernickel und Andrej Belosludov verliehen. Die beiden Männer hatten im April 2024 eine Nachbarin vor einem Messerangriff gerettet. Nach Angaben der Stadt zog Zernickel den Angreifer von der Frau weg und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Belosludov sicherte das fallengelassene Messer und leistete Erste Hilfe. Die schwerverletzte Nachbarin wurde von Rettungsdienst und Polizei ins Krankenhaus gebracht und dort operiert.
Zernickel und Belosludov waren laut Mitteilung auf Vorschlag des damaligen Polizeipräsidenten von Westhessen, Felix Paschek, nominiert worden.
Begründungen und öffentliche Würdigungen
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende erklärte, Zivilcourage beginne selten mit Applaus, sie entstehe oft im Zweifel, im Risiko und im Alleinstehen. Er betonte, die Preisträgerinnen verkörperten den Mut, sich öffentlicher Repression nicht zu beugen, und stünden für Freiheit, Menschenwürde und Wahrheit.
Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr sagte, Menschen, die Zivilcourage und Bürgermut zeigten, verdienten Aufmerksamkeit und Anerkennung, weil ihre Haltung dem Gemeinwohl diene. Er fügte hinzu, die beiden Preisträgerinnen befänden sich in besonderer Weise im politischen Schicksal und hätten daher Solidarität verdient. Den Preisträgern für Bürgermut dankte Obermayr ausdrücklich für ihr beherztes Eingreifen.
In seiner Laudatio wies der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, Björn Gutzeit, darauf hin, dass der Preis für Bürgermut keine Frage der Lautstärke sei. Er hob hervor, dass solche Taten oft leise und ohne Publikum stattfinden, aber für das Zusammenleben von großem Wert seien. Gutzeit dankte den Ausgezeichneten für ihr entschlossenes Handeln in einer Situation, in der andere möglicherweise gezögert hätten.
Die Stadt Wiesbaden vergibt den Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage an Menschen, Institutionen oder Vereinigungen, die sich für das Allgemeinwohl, das friedliche Zusammenleben, soziale Gerechtigkeit und die Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat einsetzen. Der Preis für Bürgermut würdigt seit 2011 Personen und Gruppen aus Wiesbaden, die sich in besonderer Weise für andere Menschen eingesetzt haben.
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