
Streuobstwiesen prägen viele Teile der hessischen Landschaft und bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Zugleich sind sie stark gefährdet. Eine neu aufgelegte Broschüre bündelt Praxiswissen zur Anlage und Pflege dieser Wiesen und richtet sich an Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen, Vereine und Interessierte.
Bedrohungen und Ursachen des Bestandsrückgangs
In den vergangenen Jahrzehnten sind viele Streuobstwiesen verloren gegangen. Gründe dafür sind vor allem Flächenverbrauch durch Bebauung, die Umwandlung in Ackerland oder Plantagen sowie fehlende Pflege bestehender Bestände. Ohne regelmäßige Mäharbeiten verbuschen Wiesen, alte Bäume sterben ohne Nachpflanzungen aus und wertvolle Habitate gehen verloren. Hinzu kommen Folgen des Klimawandels. Trockenperioden, Hitze, Starkregenereignisse und Spätfröste erhöhen die Schäden an Bäumen. Krankheiten und Mistelbefall schwächen einzelne Bestände zusätzlich. Bei Neuanlagen treten zudem oft Fehler auf, etwa ungeeignete Standorte, mangelnde Pflege oder fehlende Erfahrung bei Planung und Pflanzung, so dass sich Flächen nicht zu ökologisch wertvollen Lebensräumen entwickeln.
Inhalte und Ziel der Broschüre
Der Landkreis Groß Gerau hat zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Kreis Groß Gerau und dem Geo Naturpark Bergstraße Odenwald eine auf der langjährigen Arbeit von Barbara Stowasser basierende Broschüre neu herausgegeben. Das Heft stellt praxisnahe Empfehlungen zur Standortwahl, zur Auswahl regionaler Obstsorten, zur Pflanzung, zur regelmäßigen Pflege und zu Schnittmaßnahmen zusammen. Es beschreibt typische Problemstellungen und gibt Hinweise, wie diese vermieden oder behoben werden können. Ziel ist es, die Anlage und den Erhalt von Streuobstwiesen langfristig zu sichern und deren ökologische Funktion zu stärken.
Bedeutung für Artenvielfalt und Kulturgut
Streuobstwiesen sind Lebensraum für eine Vielzahl von Arten. Wildbienen und Schmetterlinge finden in blütenreichen Wiesen Nahrung. Vögel und Fledermäuse nutzen die Bäume als Brutplatz und Rückzugsraum, Beispiele sind der Steinkauz, der Gartenrotschwanz und der Große Abendsegler. Auch Reptilien wie die Zauneidechse profitieren von strukturreichen Flächen. Darüber hinaus bewahren Streuobstwiesen regionale Obstsorten und gelten als Teil des kulturellen Erbes im hessischen Ried. In Hessen stehen Streuobstwiesen auf der Roten Liste gefährdeter Lebensräume, gleichzeitig wächst das Interesse an ihrem Schutz und ihrer Pflege.
Die neu aufgelegte Broschüre soll praktische Hilfe leisten, damit diese Lebensräume erhalten bleiben und sich auch für kommende Generationen entwickeln können.
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